Bildung - eine Aufgabe der Kirche?
Überlegungen
zum Bildungsverständnis in evangelischer Perspektive*
von Werner Zager
"Durch Deutschland muss ein Ruck
gehen". Seit diesen aufrüttelnden Worten unseres früheren
Bundespräsidenten ROMAN HERZOG1 - und er meinte mit diesem Ruck eine
durchgreifende Reform unseres Bildungswesens und in Verbindung damit die
Stärkung der innovativen Kräfte in unserer Gesellschaft - seit diesen
aufrüttelnden Worten also sind bereits mehr als sechs Jahre vergangen und von
einem "Ruck" war bisher noch nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Die
Ergebnisse der Pisa-Studie waren für unser Land mehr als beschämend. Was ist
los mit der Bildung in Deutschland?
Woran liegt es, dass wir nicht zufrieden sein können mit dem Bildungsniveau in
Deutschland? Ich habe den Eindruck gewonnen: Es wird zwar viel von den so
genannten Experten über Bildung geredet und geschrieben, auch Politiker
beteiligen sich an der Debatte; aber es wird zu wenig getan! Zweifellos muss
doch in den Bildungseinrichtungen selbst um tragfähige Lösungen zur Behebung
des Bildungsdilemmas gerungen werden, und dann gilt es, die neu gewonnenen
Ideen beherzt und engagiert umzusetzen.
Gerade die Kirche gehört nach meinem Urteil zu den Bildungs- und
Kultureinrichtungen, die hier eine klare Verpflichtung wahrzunehmen haben - und
zwar in besonderem Maße die Evangelische Kirche! Und dass es nun in unserem
Dekanat eine Profilstelle gibt, die sich ganz dieser Aufgabe widmen darf, ist
ein wichtiger Schritt, dieser Verpflichtung nicht nur im Wort, sondern auch in
der Tat gerecht zu werden.
Wollen wir uns die Gründe vergegenwärtigen, warum sich speziell die
Evangelische Kirche für Bildung und Kultur in unserer Gesellschaft engagieren
sollte. Dies soll in drei Abschnitten geschehen: Nachdem ich einige Anmerkungen
zum Begriff "Bildung" selbst gegeben habe, möchte ich in einem
zweiten Teil den Bildungsbegriff im Horizont protestantischer Freiheit
entfalten und dann in einem dritten Teil Bildung als Lebensprozess
interpretieren.
1. Anmerkungen zum Begriff "Bildung"
Das Wort "Bildung" ist ein spezifisch deutscher Begriff, der seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts vielfach begegnet. Es ist interessant, dass das
Englische, Französische und Italienische das Wort "Bildung" nicht
kennen, sondern nüchtern von "Erziehung" (education) sprechen. Dabei
ist der Begriff "Bildung" abgeleitet von der Vorstellung des Menschen
als Bild Gottes, wie sie bereits in der altchristlichen Theologie entfaltet
wurde und welche im 17. und 18. Jahrhundert im deutschen Pietismus wieder
auflebte2: Zum einen ist der Mensch gemäß dem priesterschriftlichen
Schöpfungsbericht geschaffen nach dem Bild Gottes, d.h. er erhält teil am
göttlichen Weltregiment, indem ihm die Herrschaft über die Erde übertragen wird3.
Zum anderen ist laut dem Evangelium der Christenmensch neu geschaffen, um auf
das Bild Christi hinzuleben4, d.h. als einer, der von Christus
ergriffen ist, strebt er danach, dass Christus in ihm Gestalt annimmt5.
Den modernen Bildungsbegriff hat dann entscheidend der Theologe, Philosoph und
Bildungspolitiker FRIEDRICH SCHLEIERMACHER (1768-1834) geprägt. Hören wir, was
er in seiner 1799 erschienenen Schrift "Über die Religion. Reden an die
Gebildeten unter ihren Verächtern" zur Bildung des Menschen sagt: Zur
wahren Bildung gehören einerseits "Schärfe und Weite des Sinnes" und
andererseits im Gegensatz zu einer bloßen Wissensanhäufung die
"Selbstbeschränkung" darauf, "etwas bestimmtes zu werden [zu]
versuchen" und "irgend etwas mit Stetigkeit und ganzer Seele [zu]
betreiben"6. Gegenüber einer einseitigen Vernunftorientierung
ist im Sinne Schleiermachers der Bildungsprozess durch folgende
Wechselwirkungen bestimmt: "Der Mensch bildet sich und wird gebildet in
der Spannung von Rezeptivität [d.h. Aufnahmefähigkeit] und Spontaneität, von Abhängigkeit
und Freiheit, von Insichbleiben und Aussichheraustreten, von Ich und Du."7
In Übereinstimmung mit der theologischen Tradition des Bildungsbegriffs nimmt
Schleiermacher neben Selbst- und Weltbezug auch die religiöse Dimension des
Menschen in den Blick: Der Mensch ist nicht in sich selbst, sondern in Gott
gegründet.
2. Bildung in protestantischer Freiheit
Wenn Bildung sich also zum einen im Selbst- und Weltbezug vollzieht, zum
anderen aber auch im Bezug auf Gott und Christus hin, dann wird deutlich, vor
welch zentrale Aufgaben die Kirche gerade hier gestellt ist. Fragen wir nun
nach dem Spezifikum von Bildung in evangelischer Perspektive, so besteht dieses
m.E. darin, dass Bildung in ihrer ganzen Komplexität und somit gerade die
religiöse Bildung in protestantischer Freiheit geschieht.
Es war eine Sternstunde protestantischer Freiheit, als sich MARTIN LUTHER vor
dem Reichstag zu Worms im Jahre 1521 weigerte, seine Schriften zu widerrufen,
solange er nicht durch Zeugnisse der Schrift oder klare Vernunftgründe
überwunden würde.
Damit hatte Luther in Frage gestellt, dass irgend einem einzelnen Menschen oder
einer kirchlichen Instanz hinsichtlich des Glaubens eine letzte und in
bestimmten Fällen zugleich unfehlbare Autorität zukomme. Und mit dieser
Infragestellung löste er eine für die Kirchengeschichte des Abendlandes
einzigartige Bewegung aus.
Martin Luther bestritt schlicht, dass menschliche Autoritäten verbindliche
Glaubensinhalte für alle Christen festlegen und vorschreiben dürfen. Alle kirchliche
Lehre sollte sich vielmehr allein an der Bibel ausrichten.
Natürlich war sich auch Luther bereits dessen bewusst, dass die Bibel nicht ein
in sich stimmiges, widerspruchsfreies Buch ist. Er erkannte sehr wohl, dass die
einzelnen Schriften der Bibel auch unterschiedliche, teils entgegengesetzte
Botschaften beinhalten. Dennoch erklärte Luther die Bibel zu der alleinigen
Autorität, mit deren Hilfe man Gottes Wort hören, erkennen und weitergeben
könne.
Dadurch wurde dem einzelnen Christen eine große Freiheit eröffnet: Er sollte
die Bibel selbst lesen dürfen, und zwar in seiner eigenen Sprache8,
genauso sollte er Gottesdienste feiern und Lieder singen dürfen, deren Sprache
und Inhalt er verstehen konnte9, und er sollte glauben dürfen, was
er mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren konnte10.
Trotz allen Mutes und aller Begeisterung für die "protestantische
Freiheit" machten die Reformatoren zunächst noch halt vor den
altehrwürdigen Dogmen der Alten Kirche. Sowohl an der Lehre von der göttlichen
Dreieinigkeit11 als auch an der Lehre von der göttlichen und
menschlichen Natur Jesu Christi12 hielten sie fest. Nicht so die
Denker im deutschen Protestantismus während des Zeitalters der Aufklärung13.
Diese gingen weiter und sahen innerhalb aufgeschlossener Kreise des
Protestantismus die Notwendigkeit, sich von jeglichem einengenden Dogmenglauben
zu befreien. Sie begannen, die Bibel mit den so genannten historischen Methoden
zu untersuchen, inhaltliche Spannungen und Widersprüche beim Namen zu nennen
und Gründe für solche Unstimmigkeiten zu finden. Sie erkannten die
Zeitgebundenheit mancher religiöser Vorstellungen und deren Abhängigkeit auch
von alten mittlerweile überholten Weltbildern. So begriff man erstmals die
Bibel konsequent als ein geschichtliches Dokument und eben nicht mehr als vom
heiligen Geist eingegebenes Gotteswort. Und man lehnte es ab, Glaubensinhalte
zu bekennen, die man nicht wirklich innerlich mit Überzeugung bejahen konnte,
selbst wenn sie in kirchlichen Dogmen festgelegt waren. Eine solche
Befreiungstat kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Diese Verdienste der Reformation und später der Aufklärung haben auch für
unsere eigene Glaubenspraxis heute eine große Tragweite; denn auch wir dürfen -
manchmal gegen unsere eigene Ängstlichkeit, sich von altehrwürdiger Tradition
zu lösen - zu neuer protestantischer Freiheit vordringen.
Keiner, der Christ sein möchte, braucht, wenn es um Glaube, Bekenntnis und
Bibel geht, sein verstandesmäßiges Denken zu unterbinden oder seine Lebens- und
Welterfahrung auszublenden.
Es gibt mancherlei Erfahrungen, die sich unserem Glauben in den Weg stellen:
persönliche Leiderfahrungen wie Krankheit, Trennung oder Verlust eines lieben
Menschen, menschliche Enttäuschungen oder berufliche Krisen. Da fällt es
manchem schwer, im Gottvertrauen stark zu bleiben.
Es gibt Glaubensinhalte, die wir nur schwer oder gar nicht glauben können. Der
eine kann sich eine leibliche Auferstehung nicht vorstellen, ein anderer nimmt
Anstoß an dem Gedanken einer Jungfrauengeburt, einem dritten passen
Vorstellungen wie Hölle und Himmel nicht in sein aufgeklärtes,
naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild.
Es gibt Widersprüche in der Bibel - die beiden recht unterschiedlichen
Schöpfungsberichte seien hier als das bekannteste Beispiel genannt14-,
an denen wir einfach nicht vorbeikommen, und die erklärt werden wollen.
Soll dies nun alles in unseren Herzen verschlossen bleiben, deutlicher gesagt:
darf dies alles totgeschwiegen werden? Und zwar deshalb, weil man als guter
Christ eben auch in Leiderfahrungen zuversichtlich bleiben muss, in
Glaubensinhalten, die unserem Gefühl und unserem Verstand zuwiderlaufen, ein
"Geheimnis" sehen und es als solches anerkennen und verehren muss und
die Bibel als Gottes Wort nicht hinterfragen darf. In vielen Gemeinden werden
solche Anfragen in Gesprächskreisen und in der Predigt bereits aufgegriffen und
ernst genommen. Denn viele Christen haben erkannt: Nur wenn ich mich als Christ
meiner Lebens- und Welterfahrung stelle, den Anfragen und der Kritik, nur wenn
ich sie aushalte und durchkämpfe, wird mein Glaube wahrhaftig und damit
tragfähig werden.
Als Christen brauchen wir nicht in zwei Welten zu leben: in einer religiösen
Welt, bestimmt durch eine nicht hinterfragbare kirchliche Überlieferung, und in
einer rational und ökonomisch ausgerichteten Welt, bestimmt durch moderne
Technik und Weltanschauung, die dem naturwissenschaftlichen
Erkenntnisfortschritt unterliegt und von politischen und wirtschaftlichen
Veränderungen abhängig ist. Vielmehr gehört es zur Wahrhaftigkeit des Glaubens,
sich neuen Erkenntnissen nicht zu verschließen, sondern diese aufzunehmen und
verstehend zu durchdringen. So unterliegen auch Glaubensvorstellungen dem
Wandel.
Seit geraumer Zeit ist innerhalb der Theologie zu beobachten, dass sich
"alte" unerledigte Fragestellungen wieder zurückmelden und von neuem
- natürlich unter gewandelten Bedingungen - angegangen und Antworten zugeführt
werden. Dabei denke ich an den Dialog zwischen Theologie und
Naturwissenschaften, den Dialog zwischen den Religionen, die Rückbesinnung auf
liberale Theologen wie Adolf von Harnack, Albert Schweitzer und Ernst
Troeltsch, die insbesondere im amerikanischen Sprachbereich betriebene
historische Jesusforschung, um nur einiges beispielhaft zu nennen.
Diese m.E. erfreulichen und zukunftsweisenden Tendenzen gilt es in der
Bildungsarbeit der Evangelischen Kirche aufzugreifen und fruchtbar zu machen.
Will Kirche - und dies ist mein persönliches Anliegen in der Evangelischen
Erwachsenenbildung in unserem Dekanat Worms-Wonnegau - auch Menschen erreichen,
die ihr eher abwartend oder distanziert gegenüberstehen, dann gibt es dafür nur
einen Erfolg versprechenden Weg: Die Menschen, die zu uns kommen, müssen ernst
genommen werden in ihrer persönlichen Lebenssituation, in ihrer kulturellen
Prägung, in ihrem Lebensstil als Bürgerinnen und Bürger eines westlichen
Industriestaates, in ihren individuellen Interessen und Lebensnöten und
angesprochen werden mit Worten, die sie angehen und anrühren. Soll uns das
gelingen, ist ein theologischer Liberalismus, also der Mut, in Freiheit und in
der Bereitschaft zum Wandel das Evangelium in die Welt unserer Zeit
hineinzutragen, schlicht eine Notwendigkeit.
Wer sich nun von Glaubensvorstellungen freigemacht hat, weil sie ihm zu glauben
unmöglich sind und ihm ein tieferer Gehalt der christlichen Religion
aufgegangen ist, wird in einer für alle Menschen offenen Kirche auch für seine
Überzeugung eintreten dürfen. Um Toleranz für seine eigene Position
nachsuchend, wird er aber im gleichen Maße Toleranz für diejenigen
Kirchenmitglieder aufbringen müssen, die sich in den überkommenen Formen ihres
Glaubens geborgen fühlen. Es wird in der Zukunft unseres Christentums möglich
sein müssen, dass weltoffen und freiheitlich Glaubende und solche, die wie
bisher sich in dogmatisch verfasstem Glauben zuhause fühlen, zusammenleben,
ohne einander zu befehden.
3. Bildung als Lebensprozess
Mittlerweile ist es eine Binsenweisheit geworden, dass Lernen und Bildung ein
lebenslanger Prozess ist. "Ausgelernt" hat man nie. Denken wir allein
an die rasanten und sich immer schneller vollziehenden technischen
Entwicklungen, mit denen jeder und jede von uns konfrontiert werden. Wer hier
mithalten will, muss ständig hinter den neuesten Entwicklungen der Technik
herjagen, sich fortbilden. Nicht nur der Computer selbst braucht ständige
"up-dates", sondern auch die Menschen, die mit ihm arbeiten. Und das
sind wir mittlerweile fast alle. Bildung dagegen hat "ein tiefes,
leidenschaftliches Verhältnis zu Langsamkeit, zu Dauer und Kontinuität, zum
Zeit-Raum der 'Muße', der ihr als breiter Rand ebenso gut zu Gesicht steht wie
einem Buch. ... Sie hat eine Präferenz für das Wachsen zur Jahreszeit, nicht
für die Züchtung im Treibhaus."15 In letzter Zeit ist mir an
den Schnellstraßen immer wieder ein Plakat begegnet mit einer von rasenden
Autos befahrenen Autobahn. Von den Wagen ist kaum mehr zu erkennen als die rote
oder weiße Spur ihrer leuchtenden Scheinwerfer. Dazwischen aber - auf den
ersten Blick völlig deplatziert fährt langsam und gelassen ein großes
Segelschiff. "Die Wiederentdeckung der Gelassenheit" - so titelt
dieses Plakat und wirbt damit für eine Lebensweise, die behutsamer, gelassener
und damit lebensfreundlicher ist. Bildung hat "ein tiefes,
leidenschaftliches Verhältnis zu Langsamkeit", denn sie braucht Ruhe,
Muße, Zeit. Darum wollen wir in der Bildungsarbeit der Kirche uns nicht von der
Alltagshast treiben lassen, sondern uns für Themen und Inhalte Zeit nehmen,
über die es sich lohnt, nachzudenken, auf die wir uns mit unserer Person und
unseren Erfahrungen einlassen, über die wir in einen Gedankenaustausch mit
anderen eintreten - und zwar mit Interesse, mit der Bereitschaft, den eigenen
Horizont zu erweitern und mit konstruktiver Kritik.
Wenn dem so ist, dass religiöse und kulturelle Bildung Zeit braucht, ja sogar
ein ganzes Menschenleben lang andauert, dann genügt es nicht, wenn die Kirche
ihre Verantwortung für religiöse und kulturelle Bildung nur in kirchlichen
Kindergärten und Schulen, im Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht
sowie durch ihre Mitwirkung im Religionsunterricht der staatlichen Schulen
wahrnimmt. Vielmehr ist die Bildungsarbeit mit Erwachsenen ein unverzichtbarer
Bestandteil kirchlichen Handelns. Zwar dient auch die Predigt in gewisser
Hinsicht der Bildung, aber im Sinne eines mündigen Christentums geht es darum,
dass wir Glaubensinhalte nicht nur einfach übernehmen, sondern uns durch
selbstständiges Denken und im Gespräch mit anderen Christen unsere eigenen
religiösen Anschauungen bilden.
Bildung heißt immer auch: Ringen um die Wahrheit. Nicht nur die Liebe freut
sich an der Wahrheit - wie es der Apostel Paulus sagt16, sondern
auch die Bildung ist eine Liebhaberin der Wahrheit. In einer Zeit, in der viele
reden, aber nur wenige vorher darüber nachdenken, was sie sagen, brauchen wir
einen Ort, an dem wir zur Ruhe kommen können, selbstständig denken und dann ein
verantwortliches Urteil bilden können. Vornehmste Aufgabe Evangelischer
Erwachsenenbildung wird es also sein, solche Oasen des Denkens und der
Besinnung zu schaffen - inmitten einer durch eingängige Slogans und gehaltlose
Formeln manipulierten Gesellschaft.
"Sapere aude" - "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"
- dieser Wahlspruch der Aufklärung ist aktueller denn je. Möge er zum Leitstern
der Evangelischen Erwachsenenbildung in unserem Dekanat werden. Wendet sich
diese doch an den einzelnen Menschen, der bereit ist, seinen individuellen
Bildungsweg zu gehen - allerdings nicht für sich allein, sondern in
Gemeinschaft mit anderen, die auch willens sind, sich auf das
"Abenteuer" Bildung einzulassen.
Lassen Sie uns, liebe Mitchristen und Mitbürger, diese lohnende Aufgabe
gemeinsam anpacken - sei es als Teilnehmende oder als Referenten und
Seminarleiter, sei es als Sponsoren oder als Ideengeber, sei es als Menschen,
die andere in ihrem Bekannten- und Freundeskreis dafür gewinnen, oder als
solche, die in Schulen, Hochschulen oder anderen Bildungseinrichtungen tätig
sind und sich dazu bereit finden, mit der Evangelischen Erwachsenenbildung
zusammenzuarbeiten. Jeder und jede ist willkommen, sich in irgendeiner Weise
für diese evangelische Bildungsarbeit zu engagieren.
Anmerkungen
* Vortrag, gehalten anlässlich meiner Einführung als Inhaber der Profilstelle
Bildung im Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau am 8.10.2003 in der
Friedrichskirche in Worms.
1 Vgl. ROMAN HERZOG, Aufbruch ins 21. Jahrhundert. "Berliner Rede"
vom 26. April 1997, in: Manfred Bissinger (Hg.), Stimmen gegen den Stillstand.
Roman Herzogs "Berliner Rede" und 33 Antworten, Hamburg 1997, S.
13-30.
2 Vgl. REINHART STAATS, Der Ursprung des Wortes 'Bildung' und die
Wissenschaftsethik Adolf von Harnacks, in: ThLZ 127 (2002), Sp. (591-608) 594.
3 Vgl. Gen 1,26 f.; s. auch 9,6.
4 Vgl. Kol 1,15; II Kor 4,4.
5 Vgl. Phil 3,12.
6 FRIEDRICH DANIEL ERNST SCHLEIERMACHER, Über die Religion. Reden an die
Gebildeten unter ihren Verächtern (PhB 255), Hamburg 1970 (ND der Ausg. von
1958), S. 90 f.
7 FELIX GRIGAT, "Die Welt in sich aufnehmen und sich in der Welt
darstellen". Zur Aktualität der Bildungstheorie Friedrich Schleiermachers,
in: Forschung & Lehre Nr. 9/2001, S. 467 f.
8 Luther übersetzte im Jahre 1522 auf der Wartburg innerhalb von 11 Wochen das
Neue Testament ins Deutsche. Die Übersetzung der gesamten Bibel lag 1534 vor.
9 Im Herbst 1526 wagte sich Martin Luther mit der "Deutschen Messe"
an den Versuch, das erste deutschsprachige Gottesdienstformular zu schaffen,
was mit einer Reihe von musikalischen und sprachlichen Problemen verbunden war
(vgl. hierzu FRIEDRICH KALB, Grundriß der Liturgik. Eine Einführung in die
Geschichte, Grundsätze und Ordnungen des lutherischen Gottesdienstes, München 21982,
S. 32-35).
Luther dichtete nicht nur eine Reihe von Psalmgesängen, Fest- und
Katechismusliedern, sondern er übertrug auch eine Vielzahl altkirchlicher
lateinischer Hymnen und liturgischer Gesänge in die deutsche Sprache und
erweiterte mittelalterliche Leisen und Antiphon-Strophen. (Als Beispiele seien
genannt: Nun komm der Heiden Heiland [EG 4; Text und Melodie von Luther],
Gelobet seist du, Jesu Christ [EG 23; Melodie und Text der ersten Strophe
mittelalterlich, um Strophen 2-5 erweitert durch Luther], Ach Gott, vom Himmel
sieh darein [EG 273; Text und Melodie von Luther]; vgl. Evangelisches
Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Frankfurt
a.M. 1994, S. 956 f.)
10 Vgl. folgende Äußerung LUTHERs in seiner Schrift "Von weltlicher
Obrigkeit" aus dem Jahre 1523: "Weil es bei eines jeden Gewissen
liegt, wie er glaubt oder nicht glaubt, und weil damit der weltlichen Gewalt
kein Abbruch geschieht, soll sie auch zufrieden sein und ihrer Dinge warten und
sonst oder so glauben lassen, wie man kann und will und niemand mit Gewalt
dringen." (D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 11,
Weimar 1900, S. 264; das Zitat wurde der heutigen Grammatik und Orthographie
angeglichen)
11 Nach dem Bekenntnis des Konzils von Konstantinopel (381), das auf dem von
Nicäa (325) beruht, existiert der eine Gott in drei wesensgleichen Personen:
Vater, Sohn und Heiliger Geist. - Vgl. dazu als erste Information BERNHARD
LOHSE, Epochen der Dogmengeschichte, Stuttgart/Berlin 41978, S.
45-76.
12 Gemäß dieser Lehre sind in der Person Jesu Christi menschliche und göttliche
Natur miteinander vereint - und zwar laut dem Glaubensbekenntnis von Chalkedon
(431) "unvermischt, unverwandelt, ungetrennt, ungesondert". - Vgl.
dazu B. LOHSE, Epochen der Dogmengeschichte, S. 77-104.
13 Besonders genannt seien HERMANN SAMUEL REIMARUS (1694-1768) mit seiner
Schrift "Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer
Gottes" (von GOTTHOLD EPHRAIM LESSING 1774-1778 auszugsweise als
"Fragmente eines Ungenannten" herausgegeben, vollständig erstmals
ediert von GERHARD ALEXANDER 1972), JOHANN SALOMO SEMLER (1725-1791) mit seinem
Werk "Abhandlung von freier Untersuchung des Kanons" (1771-1775) und
IMMANUEL KANT (1724-1804), dem wir u.a. die "Kritik der reinen
Vernunft" (1781), die "Kritik der praktischen Vernunft" (1788)
und "Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft" (1793)
verdanken.
14 Vgl. Gen 1,1-2,4a mit Gen 2,4b-25.
15 FELIX GRIGAT, Warum wir noch Barbaren sind. Bildung, Wahrheit, Sprache und
ihre Vorliebe für die Langsamkeit, in: Forschung & Lehre Nr. 9/2003, S.
(475-477) 476.
16 Vgl. I Kor 13,6.
Evangelische
Erwachsenenbildung im Dekanat Worms-Wonnegau, 1. September 2011
Pfarrerin
Dorothea Zager, Worms
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