Bildung - eine Aufgabe der Kirche?

Überlegungen zum Bildungsverständnis in evangelischer Perspektive*

von Werner Zager

"Durch Deutschland muss ein Ruck gehen". Seit diesen aufrüttelnden Worten unseres früheren Bundespräsidenten ROMAN HERZOG1 - und er meinte mit diesem Ruck eine durchgreifende Reform unseres Bildungswesens und in Verbindung damit die Stärkung der innovativen Kräfte in unserer Gesellschaft - seit diesen aufrüttelnden Worten also sind bereits mehr als sechs Jahre vergangen und von einem "Ruck" war bisher noch nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Die Ergebnisse der Pisa-Studie waren für unser Land mehr als beschämend. Was ist los mit der Bildung in Deutschland?

Woran liegt es, dass wir nicht zufrieden sein können mit dem Bildungsniveau in Deutschland? Ich habe den Eindruck gewonnen: Es wird zwar viel von den so genannten Experten über Bildung geredet und geschrieben, auch Politiker beteiligen sich an der Debatte; aber es wird zu wenig getan! Zweifellos muss doch in den Bildungseinrichtungen selbst um tragfähige Lösungen zur Behebung des Bildungsdilemmas gerungen werden, und dann gilt es, die neu gewonnenen Ideen beherzt und engagiert umzusetzen.

Gerade die Kirche gehört nach meinem Urteil zu den Bildungs- und Kultureinrichtungen, die hier eine klare Verpflichtung wahrzunehmen haben - und zwar in besonderem Maße die Evangelische Kirche! Und dass es nun in unserem Dekanat eine Profilstelle gibt, die sich ganz dieser Aufgabe widmen darf, ist ein wichtiger Schritt, dieser Verpflichtung nicht nur im Wort, sondern auch in der Tat gerecht zu werden.

Wollen wir uns die Gründe vergegenwärtigen, warum sich speziell die Evangelische Kirche für Bildung und Kultur in unserer Gesellschaft engagieren sollte. Dies soll in drei Abschnitten geschehen: Nachdem ich einige Anmerkungen zum Begriff "Bildung" selbst gegeben habe, möchte ich in einem zweiten Teil den Bildungsbegriff im Horizont protestantischer Freiheit entfalten und dann in einem dritten Teil Bildung als Lebensprozess interpretieren.

1. Anmerkungen zum Begriff "Bildung"

Das Wort "Bildung" ist ein spezifisch deutscher Begriff, der seit der Mitte des 18. Jahrhunderts vielfach begegnet. Es ist interessant, dass das Englische, Französische und Italienische das Wort "Bildung" nicht kennen, sondern nüchtern von "Erziehung" (education) sprechen. Dabei ist der Begriff "Bildung" abgeleitet von der Vorstellung des Menschen als Bild Gottes, wie sie bereits in der altchristlichen Theologie entfaltet wurde und welche im 17. und 18. Jahrhundert im deutschen Pietismus wieder auflebte2: Zum einen ist der Mensch gemäß dem priesterschriftlichen Schöpfungsbericht geschaffen nach dem Bild Gottes, d.h. er erhält teil am göttlichen Weltregiment, indem ihm die Herrschaft über die Erde übertragen wird3. Zum anderen ist laut dem Evangelium der Christenmensch neu geschaffen, um auf das Bild Christi hinzuleben4, d.h. als einer, der von Christus ergriffen ist, strebt er danach, dass Christus in ihm Gestalt annimmt5.

Den modernen Bildungsbegriff hat dann entscheidend der Theologe, Philosoph und Bildungspolitiker FRIEDRICH SCHLEIERMACHER (1768-1834) geprägt. Hören wir, was er in seiner 1799 erschienenen Schrift "Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern" zur Bildung des Menschen sagt: Zur wahren Bildung gehören einerseits "Schärfe und Weite des Sinnes" und andererseits im Gegensatz zu einer bloßen Wissensanhäufung die "Selbstbeschränkung" darauf, "etwas bestimmtes zu werden [zu] versuchen" und "irgend etwas mit Stetigkeit und ganzer Seele [zu] betreiben"6. Gegenüber einer einseitigen Vernunftorientierung ist im Sinne Schleiermachers der Bildungsprozess durch folgende Wechselwirkungen bestimmt: "Der Mensch bildet sich und wird gebildet in der Spannung von Rezeptivität [d.h. Aufnahmefähigkeit] und Spontaneität, von Abhängigkeit und Freiheit, von Insichbleiben und Aussichheraustreten, von Ich und Du."7 In Übereinstimmung mit der theologischen Tradition des Bildungsbegriffs nimmt Schleiermacher neben Selbst- und Weltbezug auch die religiöse Dimension des Menschen in den Blick: Der Mensch ist nicht in sich selbst, sondern in Gott gegründet.

2. Bildung in protestantischer Freiheit

Wenn Bildung sich also zum einen im Selbst- und Weltbezug vollzieht, zum anderen aber auch im Bezug auf Gott und Christus hin, dann wird deutlich, vor welch zentrale Aufgaben die Kirche gerade hier gestellt ist. Fragen wir nun nach dem Spezifikum von Bildung in evangelischer Perspektive, so besteht dieses m.E. darin, dass Bildung in ihrer ganzen Komplexität und somit gerade die religiöse Bildung in protestantischer Freiheit geschieht.

Es war eine Sternstunde protestantischer Freiheit, als sich MARTIN LUTHER vor dem Reichstag zu Worms im Jahre 1521 weigerte, seine Schriften zu widerrufen, solange er nicht durch Zeugnisse der Schrift oder klare Vernunftgründe überwunden würde.

Damit hatte Luther in Frage gestellt, dass irgend einem einzelnen Menschen oder einer kirchlichen Instanz hinsichtlich des Glaubens eine letzte und in bestimmten Fällen zugleich unfehlbare Autorität zukomme. Und mit dieser Infragestellung löste er eine für die Kirchengeschichte des Abendlandes einzigartige Bewegung aus.

Martin Luther bestritt schlicht, dass menschliche Autoritäten verbindliche Glaubensinhalte für alle Christen festlegen und vorschreiben dürfen. Alle kirchliche Lehre sollte sich vielmehr allein an der Bibel ausrichten.

Natürlich war sich auch Luther bereits dessen bewusst, dass die Bibel nicht ein in sich stimmiges, widerspruchsfreies Buch ist. Er erkannte sehr wohl, dass die einzelnen Schriften der Bibel auch unterschiedliche, teils entgegengesetzte Botschaften beinhalten. Dennoch erklärte Luther die Bibel zu der alleinigen Autorität, mit deren Hilfe man Gottes Wort hören, erkennen und weitergeben könne.

Dadurch wurde dem einzelnen Christen eine große Freiheit eröffnet: Er sollte die Bibel selbst lesen dürfen, und zwar in seiner eigenen Sprache8, genauso sollte er Gottesdienste feiern und Lieder singen dürfen, deren Sprache und Inhalt er verstehen konnte9, und er sollte glauben dürfen, was er mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren konnte10.

Trotz allen Mutes und aller Begeisterung für die "protestantische Freiheit" machten die Reformatoren zunächst noch halt vor den altehrwürdigen Dogmen der Alten Kirche. Sowohl an der Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit11 als auch an der Lehre von der göttlichen und menschlichen Natur Jesu Christi12 hielten sie fest. Nicht so die Denker im deutschen Protestantismus während des Zeitalters der Aufklärung13. Diese gingen weiter und sahen innerhalb aufgeschlossener Kreise des Protestantismus die Notwendigkeit, sich von jeglichem einengenden Dogmenglauben zu befreien. Sie begannen, die Bibel mit den so genannten historischen Methoden zu untersuchen, inhaltliche Spannungen und Widersprüche beim Namen zu nennen und Gründe für solche Unstimmigkeiten zu finden. Sie erkannten die Zeitgebundenheit mancher religiöser Vorstellungen und deren Abhängigkeit auch von alten mittlerweile überholten Weltbildern. So begriff man erstmals die Bibel konsequent als ein geschichtliches Dokument und eben nicht mehr als vom heiligen Geist eingegebenes Gotteswort. Und man lehnte es ab, Glaubensinhalte zu bekennen, die man nicht wirklich innerlich mit Überzeugung bejahen konnte, selbst wenn sie in kirchlichen Dogmen festgelegt waren. Eine solche Befreiungstat kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Diese Verdienste der Reformation und später der Aufklärung haben auch für unsere eigene Glaubenspraxis heute eine große Tragweite; denn auch wir dürfen - manchmal gegen unsere eigene Ängstlichkeit, sich von altehrwürdiger Tradition zu lösen - zu neuer protestantischer Freiheit vordringen.

Keiner, der Christ sein möchte, braucht, wenn es um Glaube, Bekenntnis und Bibel geht, sein verstandesmäßiges Denken zu unterbinden oder seine Lebens- und Welterfahrung auszublenden.

Es gibt mancherlei Erfahrungen, die sich unserem Glauben in den Weg stellen: persönliche Leiderfahrungen wie Krankheit, Trennung oder Verlust eines lieben Menschen, menschliche Enttäuschungen oder berufliche Krisen. Da fällt es manchem schwer, im Gottvertrauen stark zu bleiben.

Es gibt Glaubensinhalte, die wir nur schwer oder gar nicht glauben können. Der eine kann sich eine leibliche Auferstehung nicht vorstellen, ein anderer nimmt Anstoß an dem Gedanken einer Jungfrauengeburt, einem dritten passen Vorstellungen wie Hölle und Himmel nicht in sein aufgeklärtes, naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild.

Es gibt Widersprüche in der Bibel - die beiden recht unterschiedlichen Schöpfungsberichte seien hier als das bekannteste Beispiel genannt14-, an denen wir einfach nicht vorbeikommen, und die erklärt werden wollen.

Soll dies nun alles in unseren Herzen verschlossen bleiben, deutlicher gesagt: darf dies alles totgeschwiegen werden? Und zwar deshalb, weil man als guter Christ eben auch in Leiderfahrungen zuversichtlich bleiben muss, in Glaubensinhalten, die unserem Gefühl und unserem Verstand zuwiderlaufen, ein "Geheimnis" sehen und es als solches anerkennen und verehren muss und die Bibel als Gottes Wort nicht hinterfragen darf. In vielen Gemeinden werden solche Anfragen in Gesprächskreisen und in der Predigt bereits aufgegriffen und ernst genommen. Denn viele Christen haben erkannt: Nur wenn ich mich als Christ meiner Lebens- und Welterfahrung stelle, den Anfragen und der Kritik, nur wenn ich sie aushalte und durchkämpfe, wird mein Glaube wahrhaftig und damit tragfähig werden.

Als Christen brauchen wir nicht in zwei Welten zu leben: in einer religiösen Welt, bestimmt durch eine nicht hinterfragbare kirchliche Überlieferung, und in einer rational und ökonomisch ausgerichteten Welt, bestimmt durch moderne Technik und Weltanschauung, die dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt unterliegt und von politischen und wirtschaftlichen Veränderungen abhängig ist. Vielmehr gehört es zur Wahrhaftigkeit des Glaubens, sich neuen Erkenntnissen nicht zu verschließen, sondern diese aufzunehmen und verstehend zu durchdringen. So unterliegen auch Glaubensvorstellungen dem Wandel.

Seit geraumer Zeit ist innerhalb der Theologie zu beobachten, dass sich "alte" unerledigte Fragestellungen wieder zurückmelden und von neuem - natürlich unter gewandelten Bedingungen - angegangen und Antworten zugeführt werden. Dabei denke ich an den Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften, den Dialog zwischen den Religionen, die Rückbesinnung auf liberale Theologen wie Adolf von Harnack, Albert Schweitzer und Ernst Troeltsch, die insbesondere im amerikanischen Sprachbereich betriebene historische Jesusforschung, um nur einiges beispielhaft zu nennen.

Diese m.E. erfreulichen und zukunftsweisenden Tendenzen gilt es in der Bildungsarbeit der Evangelischen Kirche aufzugreifen und fruchtbar zu machen. Will Kirche - und dies ist mein persönliches Anliegen in der Evangelischen Erwachsenenbildung in unserem Dekanat Worms-Wonnegau - auch Menschen erreichen, die ihr eher abwartend oder distanziert gegenüberstehen, dann gibt es dafür nur einen Erfolg versprechenden Weg: Die Menschen, die zu uns kommen, müssen ernst genommen werden in ihrer persönlichen Lebenssituation, in ihrer kulturellen Prägung, in ihrem Lebensstil als Bürgerinnen und Bürger eines westlichen Industriestaates, in ihren individuellen Interessen und Lebensnöten und angesprochen werden mit Worten, die sie angehen und anrühren. Soll uns das gelingen, ist ein theologischer Liberalismus, also der Mut, in Freiheit und in der Bereitschaft zum Wandel das Evangelium in die Welt unserer Zeit hineinzutragen, schlicht eine Notwendigkeit.

Wer sich nun von Glaubensvorstellungen freigemacht hat, weil sie ihm zu glauben unmöglich sind und ihm ein tieferer Gehalt der christlichen Religion aufgegangen ist, wird in einer für alle Menschen offenen Kirche auch für seine Überzeugung eintreten dürfen. Um Toleranz für seine eigene Position nachsuchend, wird er aber im gleichen Maße Toleranz für diejenigen Kirchenmitglieder aufbringen müssen, die sich in den überkommenen Formen ihres Glaubens geborgen fühlen. Es wird in der Zukunft unseres Christentums möglich sein müssen, dass weltoffen und freiheitlich Glaubende und solche, die wie bisher sich in dogmatisch verfasstem Glauben zuhause fühlen, zusammenleben, ohne einander zu befehden.

3. Bildung als Lebensprozess

Mittlerweile ist es eine Binsenweisheit geworden, dass Lernen und Bildung ein lebenslanger Prozess ist. "Ausgelernt" hat man nie. Denken wir allein an die rasanten und sich immer schneller vollziehenden technischen Entwicklungen, mit denen jeder und jede von uns konfrontiert werden. Wer hier mithalten will, muss ständig hinter den neuesten Entwicklungen der Technik herjagen, sich fortbilden. Nicht nur der Computer selbst braucht ständige "up-dates", sondern auch die Menschen, die mit ihm arbeiten. Und das sind wir mittlerweile fast alle. Bildung dagegen hat "ein tiefes, leidenschaftliches Verhältnis zu Langsamkeit, zu Dauer und Kontinuität, zum Zeit-Raum der 'Muße', der ihr als breiter Rand ebenso gut zu Gesicht steht wie einem Buch. ... Sie hat eine Präferenz für das Wachsen zur Jahreszeit, nicht für die Züchtung im Treibhaus."15 In letzter Zeit ist mir an den Schnellstraßen immer wieder ein Plakat begegnet mit einer von rasenden Autos befahrenen Autobahn. Von den Wagen ist kaum mehr zu erkennen als die rote oder weiße Spur ihrer leuchtenden Scheinwerfer. Dazwischen aber - auf den ersten Blick völlig deplatziert fährt langsam und gelassen ein großes Segelschiff. "Die Wiederentdeckung der Gelassenheit" - so titelt dieses Plakat und wirbt damit für eine Lebensweise, die behutsamer, gelassener und damit lebensfreundlicher ist. Bildung hat "ein tiefes, leidenschaftliches Verhältnis zu Langsamkeit", denn sie braucht Ruhe, Muße, Zeit. Darum wollen wir in der Bildungsarbeit der Kirche uns nicht von der Alltagshast treiben lassen, sondern uns für Themen und Inhalte Zeit nehmen, über die es sich lohnt, nachzudenken, auf die wir uns mit unserer Person und unseren Erfahrungen einlassen, über die wir in einen Gedankenaustausch mit anderen eintreten - und zwar mit Interesse, mit der Bereitschaft, den eigenen Horizont zu erweitern und mit konstruktiver Kritik.

Wenn dem so ist, dass religiöse und kulturelle Bildung Zeit braucht, ja sogar ein ganzes Menschenleben lang andauert, dann genügt es nicht, wenn die Kirche ihre Verantwortung für religiöse und kulturelle Bildung nur in kirchlichen Kindergärten und Schulen, im Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht sowie durch ihre Mitwirkung im Religionsunterricht der staatlichen Schulen wahrnimmt. Vielmehr ist die Bildungsarbeit mit Erwachsenen ein unverzichtbarer Bestandteil kirchlichen Handelns. Zwar dient auch die Predigt in gewisser Hinsicht der Bildung, aber im Sinne eines mündigen Christentums geht es darum, dass wir Glaubensinhalte nicht nur einfach übernehmen, sondern uns durch selbstständiges Denken und im Gespräch mit anderen Christen unsere eigenen religiösen Anschauungen bilden.

Bildung heißt immer auch: Ringen um die Wahrheit. Nicht nur die Liebe freut sich an der Wahrheit - wie es der Apostel Paulus sagt16, sondern auch die Bildung ist eine Liebhaberin der Wahrheit. In einer Zeit, in der viele reden, aber nur wenige vorher darüber nachdenken, was sie sagen, brauchen wir einen Ort, an dem wir zur Ruhe kommen können, selbstständig denken und dann ein verantwortliches Urteil bilden können. Vornehmste Aufgabe Evangelischer Erwachsenenbildung wird es also sein, solche Oasen des Denkens und der Besinnung zu schaffen - inmitten einer durch eingängige Slogans und gehaltlose Formeln manipulierten Gesellschaft.

"Sapere aude" - "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" - dieser Wahlspruch der Aufklärung ist aktueller denn je. Möge er zum Leitstern der Evangelischen Erwachsenenbildung in unserem Dekanat werden. Wendet sich diese doch an den einzelnen Menschen, der bereit ist, seinen individuellen Bildungsweg zu gehen - allerdings nicht für sich allein, sondern in Gemeinschaft mit anderen, die auch willens sind, sich auf das "Abenteuer" Bildung einzulassen.

Lassen Sie uns, liebe Mitchristen und Mitbürger, diese lohnende Aufgabe gemeinsam anpacken - sei es als Teilnehmende oder als Referenten und Seminarleiter, sei es als Sponsoren oder als Ideengeber, sei es als Menschen, die andere in ihrem Bekannten- und Freundeskreis dafür gewinnen, oder als solche, die in Schulen, Hochschulen oder anderen Bildungseinrichtungen tätig sind und sich dazu bereit finden, mit der Evangelischen Erwachsenenbildung zusammenzuarbeiten. Jeder und jede ist willkommen, sich in irgendeiner Weise für diese evangelische Bildungsarbeit zu engagieren.


Anmerkungen

* Vortrag, gehalten anlässlich meiner Einführung als Inhaber der Profilstelle Bildung im Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau am 8.10.2003 in der Friedrichskirche in Worms.

1 Vgl. ROMAN HERZOG, Aufbruch ins 21. Jahrhundert. "Berliner Rede" vom 26. April 1997, in: Manfred Bissinger (Hg.), Stimmen gegen den Stillstand. Roman Herzogs "Berliner Rede" und 33 Antworten, Hamburg 1997, S. 13-30.

2 Vgl. REINHART STAATS, Der Ursprung des Wortes 'Bildung' und die Wissenschaftsethik Adolf von Harnacks, in: ThLZ 127 (2002), Sp. (591-608) 594.

3 Vgl. Gen 1,26 f.; s. auch 9,6.

4 Vgl. Kol 1,15; II Kor 4,4.

5 Vgl. Phil 3,12.

6 FRIEDRICH DANIEL ERNST SCHLEIERMACHER, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern (PhB 255), Hamburg 1970 (ND der Ausg. von 1958), S. 90 f.

7 FELIX GRIGAT, "Die Welt in sich aufnehmen und sich in der Welt darstellen". Zur Aktualität der Bildungstheorie Friedrich Schleiermachers, in: Forschung & Lehre Nr. 9/2001, S. 467 f.

8 Luther übersetzte im Jahre 1522 auf der Wartburg innerhalb von 11 Wochen das Neue Testament ins Deutsche. Die Übersetzung der gesamten Bibel lag 1534 vor.

9 Im Herbst 1526 wagte sich Martin Luther mit der "Deutschen Messe" an den Versuch, das erste deutschsprachige Gottesdienstformular zu schaffen, was mit einer Reihe von musikalischen und sprachlichen Problemen verbunden war (vgl. hierzu FRIEDRICH KALB, Grundriß der Liturgik. Eine Einführung in die Geschichte, Grundsätze und Ordnungen des lutherischen Gottesdienstes, München 21982, S. 32-35).
Luther dichtete nicht nur eine Reihe von Psalmgesängen, Fest- und Katechismusliedern, sondern er übertrug auch eine Vielzahl altkirchlicher lateinischer Hymnen und liturgischer Gesänge in die deutsche Sprache und erweiterte mittelalterliche Leisen und Antiphon-Strophen. (Als Beispiele seien genannt: Nun komm der Heiden Heiland [EG 4; Text und Melodie von Luther], Gelobet seist du, Jesu Christ [EG 23; Melodie und Text der ersten Strophe mittelalterlich, um Strophen 2-5 erweitert durch Luther], Ach Gott, vom Himmel sieh darein [EG 273; Text und Melodie von Luther]; vgl. Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Frankfurt a.M. 1994, S. 956 f.)

10 Vgl. folgende Äußerung LUTHERs in seiner Schrift "Von weltlicher Obrigkeit" aus dem Jahre 1523: "Weil es bei eines jeden Gewissen liegt, wie er glaubt oder nicht glaubt, und weil damit der weltlichen Gewalt kein Abbruch geschieht, soll sie auch zufrieden sein und ihrer Dinge warten und sonst oder so glauben lassen, wie man kann und will und niemand mit Gewalt dringen." (D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 11, Weimar 1900, S. 264; das Zitat wurde der heutigen Grammatik und Orthographie angeglichen)

11 Nach dem Bekenntnis des Konzils von Konstantinopel (381), das auf dem von Nicäa (325) beruht, existiert der eine Gott in drei wesensgleichen Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. - Vgl. dazu als erste Information BERNHARD LOHSE, Epochen der Dogmengeschichte, Stuttgart/Berlin 41978, S. 45-76.

12 Gemäß dieser Lehre sind in der Person Jesu Christi menschliche und göttliche Natur miteinander vereint - und zwar laut dem Glaubensbekenntnis von Chalkedon (431) "unvermischt, unverwandelt, ungetrennt, ungesondert". - Vgl. dazu B. LOHSE, Epochen der Dogmengeschichte, S. 77-104.

13 Besonders genannt seien HERMANN SAMUEL REIMARUS (1694-1768) mit seiner Schrift "Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes" (von GOTTHOLD EPHRAIM LESSING 1774-1778 auszugsweise als "Fragmente eines Ungenannten" herausgegeben, vollständig erstmals ediert von GERHARD ALEXANDER 1972), JOHANN SALOMO SEMLER (1725-1791) mit seinem Werk "Abhandlung von freier Untersuchung des Kanons" (1771-1775) und IMMANUEL KANT (1724-1804), dem wir u.a. die "Kritik der reinen Vernunft" (1781), die "Kritik der praktischen Vernunft" (1788) und "Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft" (1793) verdanken.

14 Vgl. Gen 1,1-2,4a mit Gen 2,4b-25.

15 FELIX GRIGAT, Warum wir noch Barbaren sind. Bildung, Wahrheit, Sprache und ihre Vorliebe für die Langsamkeit, in: Forschung & Lehre Nr. 9/2003, S. (475-477) 476.

16 Vgl. I Kor 13,6.


 

 

 

 

Evangelische Erwachsenenbildung im Dekanat Worms-Wonnegau, 1. September 2011

 

 
 Pfarrerin Dorothea Zager, Worms
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